Die Altstädter St. Knudsgilde und ihre Geschichte

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Schleswigs älteste und mit über 150 Mitgliedern größte Schützengilde kann auf eine über 550jährige Tradition zurückblicken und wurde im Jahre 1449 das erste Mal urkundlich erwähnt. Gilden sind im Mittelalter als Bruderschaften der fahrenden Händler gegründet worden und waren lange Zeit ein besonderes Kennzeichen des west- und nordeuropäischen Wirtschaftslebens. Um 900 bezeugt z.B. eine Runeninschrift eine Gilde friesischer und schwedischer Kaufleute in Sigtuna bei Uppsala.

Gilde bedeutet im Friesischen wie im Altnordischen soviel wie "Gelage" oder "Schmaus" und steht im engeren Sinne für die Festmahlzeiten bei den Gildeversammlungen, die den gastronomisch-rituellen Höhepunkt bildeten. Dem Kaufmann sollte die Gilde auf seinen langen und gefährlichen Fahrten die Sippe ersetzen, im bruderschaftlichen Zusammenschluss Schutz bieten und Unterstützung gewähren.

Chronik Altstädter St. Knudsgilde

Deshalb kannten die demokratisch organisierten Gilden auch keinen Anführer, vielmehr war der "Alderman" der altdänischen Schutzgilden ein "primus interpares", ein Erster unter Gleichen. Man verpflichtete sich aber unter Eid, jedem Gildebruder jede nur erdenkliche Hilfe zukommen zu lassen, sei es Schiffbrüchige aufzunehmen, Gefangene aus der Knechtschaft zu lösen, für Familie, Haus und Hof einzustehen oder bei Vermögensverlust einzuspringen - selbst der Totschläger hatte Anspruch auf Hilfe. Und ebenso wurde der gewaltsame Tod eines Gildebruders von der Gemeinschaft gerächt, wie es in Schleswig im Jahre 1134 passierte: Die Knudsgildebrüder rächten den Mord an ihrem Ältermann und Gildebruder Herzog Knud Lavard, indem sie den dänischen König Niels innerhalb Schleswigs Stadtmauern töteten. Ob zwischen der Kaufmannsgilde Knud Lavards und der im Jahre 1449 urkundlich belegten Altstädter St. Knudsgilde ein kontinuierlicher Zusammenhang besteht, läßt sich nicht nachweisen. Zumindest hatte sich zu diesem Zeitpunkt der Charakter der Gilde bereits von einer Kaufmannsgilde zu einer Bürgerwehr gewandelt.

Chronik Altstädter St. Knudsgilde

Heute versteht sich die Altstädter St. Knudsgilde genau wie ihre Schleswiger Schwestergilden aus dem Lollfuß und dem Friedrichsberg als eine dem alten Brauchtum verbundene Gemeinschaft, die sich aktiv am kulturellen Leben der Stadt Schleswig beteiligt.

Unter dem Motto "Frohsinn, Ordnung, Einigkeit" wird alle 3 Jahre ein großes, viertägiges Schützenfest gefeiert unter großer Anteilnahme der Bevölkerung.

Das Markenzeichen aller Schleswiger Gildebrüder ist der schwarze Anzug mit weißen Handschuhen, Zylinder und roter Rose im Knopfloch.

Chronik Altstädter St. Knudsgilde

Quelle Wikipedia über die Altstädter St. Knudsgilde von 1449

Die Knudsgilde in Schleswig wurde im 12. Jahrhundert von dänischen Händlern zu Ehren des letzten Jarls von Schleswig Knud Lavard gegründet. Nach Gründung der ersten Gilde in Schleswig entstanden weitere Knudsgilden im gesamten dänischen und skandinavischen Raum. Die Knudsgilden erinnerten in Struktur und Macht stark an die deutsche Hanse, mit der sie zeitweise direkt konkurrierten.
Die Schleswiger Knudsgilde hatten bedeutenden Einfluss an der Schleswiger Stadtgeschichte. Zeitweise wurde Schleswig direkt von der Gilde regiert. Die Gildebrüder schworen unter Eid sich untereinander bei Krankheit und Not zu unterstützen.
Mit der Reformation verloren die meisten Knudsgilden jedoch an Bedeutung und lösten sich auf. In Schleswig beruft sich heute ein Schützenverein auf das Erbe der früheren Knudsgilden.
Knud Lavard war Gildebruder der Schleswiger Kaufmannschaft, die als Gilde organisiert war. Erst durch den Meuchelmord an Knud Lavard durch seinen Onkel, schworen die Schleswiger Gildebrüder Rache und töteten ihrerseits den Meuchelmörder in ihrer Stadt Schleswig. Knuds Lavard Sohn und spätere dänischer König betrieb einen ausgeprägten Vaterkult, der um 1170 zur Erhebung des Vaters in den Stand der Heiligen mündete und so wurde der Heilige Knud zum Schutzpatron aller Kaufmanns- und Schutzgilden im skandinavischen Raum.
Der Standort einer über die jahrhunderte fortgeführte Einung (= volkskundl. genossenschaftl. organisierte Gruppe) ist in Schleswig nur punktuell aber nicht dauerhaft nachweisbar. Kriege und anderweitige Bünde und Verflechtungen haben die Kontinuität gestört. Es sollen jedoch die Wurzeln der in Norddeutschland beheimateten dänischsprachigen Sankt Knudgilde von 1170 in Schleswig liegen, wobei der Verein seinen Standort heute in Flensburg hat. Die Sankt Knudgilde von 1170 war noch bis ins 15. Jahrhundert mit dem Flensburger Schiffergelag verbunden, einer Kapitänsbruderschaft. Die Bezeichnung "der Gelag" wurde bislang volkskundlich als Gelage missgedeutet und auf den Lebenssinn anderer Gilden übertragen, diese Bezeichnung stammt aus dem dänischjütischem Dialekt und wird als "Laug, nämlich Zunft übersetzt", der vor 1848 (vor der schleswig-holsteinischen Erhebung) im schleswigschen Herzogtum vorherrschte.
Die in Schleswig beheimatete Gilde nennt sich Altstädter St. Knudsgilde von 1449. Archivarisch ist bis dato keine Verbindung zwischen den beiden Gilden (Flensburg und Schleswig) nachweislich. Es sei denn, es fänden sich altdänische Dokumente in Kopenhagen, die eine kauffahrtnahe Verbindung beider Bruderschaften aufzeigen würden.